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Klimaveränderungen treffen in Zukunft verstärkt auch Mitteleuropa

Wärmere, feuchtere Winter und heißere, trockenere Sommer erwartet - Versicherungen reagieren mit Selbstbehalten und Rabatten

Wärmere Winter mit häufigeren und heftigen Stürmen, heißere und trockenere Sommer mit deutlich geringeren Niederschlagsmengen, die jedoch in stärkeren Gewittern punktuell wie Sturzfluten auf einzelne Regionen treffen könnten: Diese Prognosen für die Auswirkungen der weltweiten Klimaveränderung auf die Länder Mitteleuropas machte der Leiter des Bereichs Geo-Risiko-Forschung der Münchener Rückversicherungsgesellschaft Gerhard Berz in Bregenz. Eine Veränderung, die auch die Versicherungswirtschaft vor neue Gegebenheiten stellt. Steigende Schadentrends veranlassen Versicherungen inzwischen ihr Engagement im Umweltschutz zu erhöhen. Selbstbehalte, Rabatte und Ausschlüsse sollen Versicherungsnehmer zu mehr Schadenvorsorge motivieren.

Naturkatastrophen nehmen drastisch zu
Die Häufigkeit von Naturkatastrophen nimmt weltweit dramatisch zu, betonte der Experte des international tätigen deutschen Versicherungsunternehmens vor Journalisten. Allein in den vergangenen 10 Jahren gab es weltweit rund drei Mal so viele große Katastrophen wie noch vor 40 Jahren. Die Summe der volkswirtschaftlichen Schäden wuchs im selben Zeitraum um das Siebenfache, die Schadenbelastungen der Versicherer steigerte sich sogar um das Vierzehnfache.

85 Prozent dieser Naturphänomene sind Wetterkatastrophen wie Sturmfluten, Überschwemmungen, Orkane, Lawinen, Waldbrände oder Dürre. "Und damit hausgemacht", so Berz. Die Beteiligung des Menschen an diesen Auswirkungen sei mittlerweile unumstritten. "Die Indizienlast ist so erdrückend, das jeder Richter einen Schuldspruch fällen würde", formulierte der Experte.

Heiße Sommer künftig die Regel
Längst sind es aber nicht nur mehr Dritte-Welt-Länder wie Bangladesh, die Malediven, Sri Lanka und Indien, die alljährlich von Katastrophen heimgesucht werden. "Die Wahrscheinlichkeit für einen weiteren Hitzesommer in Europa wie im Jahr 2003 liegt heute 20 mal höher als noch vor 20 Jahren", gab Berz zu Bedenken. Dieser Sommer forderte in Europa 20.000 Todesopfer, der wirtschaftliche Schaden betrug rund 13 Mrd. Euro.

Heißere und trockenere Sommer seien künftig aber die Regel, Auswirkungen auf die Energieversorgung wie bereits 2003 in Italien, Dänemark und Großbritannien durchaus auch in Mitteleuropa möglich. Gleichzeitig werde aber auch die Zahl und Intensität der Sommergewitter deutlich zunehmen. "Jedes Grad Celsius wärmer im Sommer führt zu einer Zunahme der Blitzschläge um 50 Prozent", schilderte Berz. Dadurch würden auch die volkswirtschaftlichen und Versicherungsschäden immer höher.

Weniger Schnee im Winter
Weniger Schnee im Winter verhindere die Bildung des osteuropäischen Kältehochs, das in den vergangenen Jahrzehnten wie eine Barriere gegen Stürme aus dem Nordatlantik gewirkt habe. Die Folge sind häufigere Stürme, wie der Orkan "Ursula" am vergangenen Wochenende und damit auch höhere Schäden.

Die Versicherer brechen zwar nicht gleich in Panik aus, bewegen sie sich doch mit ihren Risikoeinschätzungen im allgemeinen auf der sicheren Seite. Ihre Befürchtungen, dass die steigenden Schadentrends allmählich die Prämienbasis erodieren könnte, liegen auf der Hand, so Berz. Generell werde die Versicherungswirtschaft deshalb nicht umhinkommen, ihre Kunden mittels der Einführung von Selbstbehalten und Rabatten selbst in die Verantwortung zu nehmen. "100 Prozent -Versicherungen sind in Zukunft kontraproduktiv, weil sie nicht zur Vorsorge motivieren", betonte der Experte.

Auch der Staat müsse "ins Boot geholt werden, denn nach wie vor werden stark gefährdete Regionen, wie Überschwemmungsgebiete oder Erdrutschzonen in Flächenwidmungsplänen als Wohnbau- oder Gewerbegebiete ausgewiesen", so Berz. (APA)

Quelle: Der Standard, 10.02.2004
 

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