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EU muss weiterhin Vorreiter im Klimaschutz sein

Niklas Höhne, der seit vielen Jahren die weltweiten Klimaschutzverhandlungen begleitet, im Interview

Niklas Höhne, Diplom-Physiker des Beratungsunternehmens Ecofys begleitet seit 1995 die weltweiten Klimaschutzverhandlungen, einige Jahre lang war er auch für die UNFCCC (United Nations Framework Convention on Climate
Change) dabei. Bei dieser Klimarahmenkonvention mit Sitz in Bonn entstand auch
das Kyoto-Protokoll.

Seit 2001 ist Niklas Höhne bei der Ecofys GmbH beschäftigt , Tochtergesellschaft der mehr als 300-köpfigen, europaweit tätigen Energieberatungsgruppe Econcern. Dort bearbeitet er u.a. Studien für die EU-Kommission und für das deutsche
Umweltbundesamt zur Zukunft der internationalen Klimaverhandlungen.

Was bringt Kyoto?

Niklas Höhne: "Kyoto mag ohne die USA klein erscheinen. Es ist jedoch ein wichtiger erster Schritt, den globalen Klimawandel zu stoppen, ich bin von dem Erfolg des Kyoto-Protokolls überzeugt ."

Findet der lange Prozess durch Russland nun gutes Ende?

Niklas Höhne: "Es war ein langwieriger Prozess. Doch nun hat nach langem Zögern Russlands Parlament das Protokoll ratifiziert und damit ermöglicht, dass die Klimaschutzvereinbarung in Kraft treten kann. Die USA lehnen das Kyoto-Protokoll und verbindliche Emissionsreduktion weiterhin ab. Und ohne die USA sind auch die Entwicklungsländer nicht zu Verpflichtungen bereit.
Das ist eine schwierige Situation, denn stärkere Emissionsreduktionen in den Industrieländern in der Größenordung von 80% bis 2050 sind nötig, um bei gleichzeitigem moderaten Wachstum der Emissionen in Entwicklungsländern gefährlichen Klimawandel zu vermeiden. In der Folge müssen die USA und dann auch die wichtigsten Entwicklungsländer einbezogen werden. Das Kyoto Protokoll ist ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg dahin und ermöglicht den Start von Verhandlungen für die Zeit nach 2012. "

Welche Vorschläge haben sie konkret?

Höhne: "Die EU muss die Vorreiterrolle spielen und zunächst im eigenen Land die Emissionen senken. Nur so sind Entwicklungsländer zu überzeugen, sich auch selbst im Klimaschutz zu engagieren. Angesichts der jetzigen Position der USA müsse
Europa parallel dazu den Dialog mit progressiven Entwicklungsländern suchen. Mit Vorteilen für die europäische Wirtschaft. Wir sind in Deutschland beispielsweise Weltmarktführer bei Windenergie und wir führen nicht nur bei dieser Umwelt-Technologie. Wer zuerst effiziente Systeme entwickelt, kann diese auch später exportieren: Das ist die Zukunfts-Chance für unsere Wirtschaft!"

Parallel dazu muss Europa den Dialog mit progressiven Entwicklungsländern suchen. Gemeinsam können Wege gefunden werden, um eine emissionsbewusste wirtschaftliche Entwicklung zu unterstützen und zumindest teilweise zu vergüten.


 


Quelle: oekonews.at, 22.2.2005 / [holler]

 
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