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Gebäudelüftung - die unterschätzte Bauaufgabe

Ein Rückblick auf ein Diskussionsforum "Ingenieur-Impulse 2005"


24.06.05

Beim Thema Belüftung von Alt- und Neubauten bleibt so manches Mal die Luft weg: mechanische Lüftung - ja oder nein? Und welches System für welches Gebäude? Zum Diskussionsforum "Ingenieur-Impulse 2005", hatten Ingenieurkammer-Bau NRW und Energieagentur NRW auf den Solar-Campus nach Jülich geladen. Eine hochkarätig besetzte Runde von Fachleuten diskutierte gemeinsam mit den 160 Teilnehmern unter dem Motto "Mechanische Lüftung - eine Luftnummer?" die Entwicklung von innovativen und technisch realisierbaren sowie nutzerbezogenen Ansätzen im Bereich der Gebäudelüftung.

Der Qualität der Innenraumluft wird noch immer zu wenig Aufmerksamkeit entgegengebracht - darin waren sich die Fachleute einig. Denn: Der durchschnittliche Mitteleuropäer verbringt rund 90 Prozent seines Lebens in geschlossenen Räumen. "Wohlbefinden und
Gesundheit sind maßgebliche Kriterien zur Beurteilung des Innenraum-Klimas. Dazu herrscht unter allen Beteiligten großer Konsens. Der Teufel steckt allerdings im Detail: Aus Sicht des Ingenieurs kann ein Optimum für zahlreiche Gebäude - und damit zum Wohle der Menschen, die darin Zeit verbringen, - nur durch individuell geplante Lösungen, die den baulichen Charakter des Gebäudes berücksichtigen, erreicht werden. Wir, die Ingenieurinnen und Ingenieure, sind aufgefordert, den Wert der zur Verfügung stehenden verschiedensten Techniken frühzeitig zu erkennen, diese Technik zu beherrschen und Gebäude entsprechend zu planen", so Dipl.-Ing. Christoph Heemann, Geschäftsführer der Ingenieurkammer- Bau NRW.

Die höheren Anforderungen an die Luftdichtheit von Gebäuden sind gemeinsam mit dem gestiegenen Dämmstandard aus heutiger bauphysikalischer Sicht erforderlich. "Gleichzeitig steigt damit aber die Bedeutung des Themas Lüftung. Denn findet ein Luftwechsel in zu hohem Umfang statt, werden die zuvor umgesetzten Energiesparmaßnahmen zunichte gemacht. Ein zu geringer Luftwechsel lässt dagegen die Schadstoffbelastung in der Raumluft ansteigen - mit der Folge, dass die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sinkt und das Gesundheitsrisiko - z.B. durch Schimmelpilzbefall - steigt", erklärt der Geschäftsführer der Ingenieurkammer-Bau NRW.

"Eine bedarfsgerechte, energieeffiziente Lüftung ist ohne mechanische Hilfen - sprich: Lüftungsanlagen - kaum zu realisieren", so Prof. Dr. Norbert Hüttenhölscher, Leiter der Energieagentur NRW. Kaum jemand sei heute aufgrund des beruflichen oder privaten Engagements noch in der Lage, für die nötige Fensterlüftung in den eigenen vier Wänden zu sorgen. Aber auch energetisch sanierte und moderne öffentliche Gebäude, wie Schulen und Bürogebäude müssen optimal belüftet werden. Dabei stellen sich für die planenden Ingenieure verschiedene Ausgangsfragen: Ist es nach Stand der Verordnungen und Normen von Seite der Ingenieure grundsätzlich erforderlich, eine Grundlüftung sicherzustellen? Wie kann eine bedarfsgerechte Lüftung realisiert werden? Wird die Fensterlüftung zukünftig entbehrlich? Kann die mechanische Lüftung diese Aufgabe umfassend lösen? Welche Systeme passen zu welchem Gebäude? Wo liegen die Knackpunkte der mechanischen Lüftung?

Bereits zum zweiten Mal hatten Energieagentur NRW und Ingenieurkammer-Bau Fachleute zu den Ingenieur-Impulsen geladen. "Das große Interesse der teilnehmenden Ingenieure zeigt, dass sich das Forum sehr bewährt und die gute Zusammenarbeit zwischen der Ingenieurkammer-Bau NRW und der Energieagentur NRW für alle Beteiligten gewinnbringend ist", erklärte Prof. Dr. Norbert Hüttenhölscher. Die als Podiumsdiskussion konzipierten Ingenieur-Impulse bieten ein Forum zu relevanten Aspekten einer energieeffizienten und ressourcenschonenden Baukultur. Dabei werden aktuelle Fragen aus dem Spektrum Bau und
Energie gemeinsam mit einem hochkarätig besetztem Podium diskutiert. Engagiert vertraten Wolfgang Greling (ThyssenKrupp Immobilien Management GmbH, Essen), Martin Klima (inco Ingenieurbüro, Aachen), Dr. Urban Palmgren (Labor für Umweltanalytik Urbanus, Düsseldorf), Bruno Schindler (Bauhistoriker, RWTH Aachen) sowie Ralph Wortmann (Wortmann & Scheerer Ingenieurbüro, Bochum) ihre Auffassungen auf dem Podium. Moderiert wurde die Veranstaltung von Ralph Erdenberger, der als Journalist für den WDR arbeitet.

Quelle:
Ökonews, 23.6.2005


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