Klärschlamm soll nicht mehr auf den Äckern landen: Aus dem „Biomüll“ wird künftig Strom und Fernwärme erzeugt. Die zündende Idee dazu hatte die Firma Saubermacher.
Klärschlamm ist nicht gerade ein appetitliches Thema. Der Geruch von den Feldern liegt so manchem noch unangenehm in der Nase. Geht es nach der Firma Saubermacher, soll damit besser heute als morgen Schluss sein. Der Grund: Schwermetalle und organische Schadstoffe gelangen in konzentrierter Form nahezu ungehindert in den Naturkreislauf. „Klärschlamm hat in der Landwirtschaft nichts verloren“, ist Roland Pomberger, abfallrechtlicher Geschäftsführer von Saubermacher, überzeugt. Stellt sich bloß die Frage: Wohin mit dem „Dreck“?
Gemeinsam mit der Verbund-Tochter ATP (Austrian Thermal Power) hat sich das Grazer Unternehmen, das sich seit kurzem wieder zur Gänze im Besitz der Familie Roth befindet, dazu einiges einfallen lassen – und ein ehrgeiziges Projekt auf die Beine gestellt: Im Fernheizkraftwerk Mellach bei Graz soll Klärschlamm künftig eine gewichtige Rolle bei der Energiegewinnung spielen und zum Teil fossile Brennstoffe ersetzen. Damit der feuchte Schlamm verbrannt werden kann, muss er zuvor getrocknet werden.
Maximaler Nutzen
Die Umwelt profitiert gleich mehrfach von dieser Neuheit: Zum einen wird durch die Beimengung des „Biomülls“ weniger Kohle verheizt, was den Ausstoß von Treibhausgasen reduziert. Zum anderen entsteht aus dem Schlamm Strom und Fernwärme – der „Müll“ also kommt in Form von Energie wieder zum Kunden zurück. Auch die Reststoffe aus der Verbrennung wie etwa Grob- und Flugasche finden in der Zement- und Bauindustrie weitere Verwendung.
Bis auf eine Übernahmestation mit Silo- und Pumpenanlagen ist in Mellach alles vorhanden, um aus Schlamm Energie zu produzieren. Das Projekt kostet in Summe vier Millionen Euro. Zur Zeit läuft der Probebetrieb, im Herbst geht es dann richtig los. Pomberger: „Damit haben wir die Kapazität, den halben Klärschlamm der Steiermark zu verwerten.“
Hinter dem Projekt steckt eine simple, aber gute Idee: Der Klärschlamm soll sein „dreckiges“ Image ablegen und vom Abfall zum Energieträger aufsteigen. „Wir suchen im Abfall einen Rohstoff und einen Nutzen“, erklärt Roland Pomberger als Projekt-Verantwortlicher die Philosophie des Unternehmens, das neben der Abfallwirtschaft auch im Güterverkehr aktiv ist. Mit dieser Strategie konnte das Entsorgungsunternehmen bereits in der Vergangenheit punkten: Mehrfach wurde der steirische Umweltbetrieb, der auch in Slowenien, Ungarn, Tschechien und Kroatien tätig ist, für seine Aktivitäten ausgezeichnet.
Quelle: Kleine Zeitung, KARIN SATTLER, 20.07.2005
