Wenn die Staaten dieser Erde Mitte September zu ihrer Generalversammlung im UNO-Gebäude am Hudson River in New York zusammenkommen, wird sich zeigen, ob aus dem Umweltprogramm der UNO (UNEP United Nations Environment Program) eine schlagkräftige Weltumweltorganisation werden kann. Statt UNEP soll es eine UNEO (United Nations Environment Organization) werden, mit eigenem Etat und eigener Autorität - ähnlich der Weltgesundheitsbehörde WHO und der Welternährungsorganisation FAO sein.
Um eine solche Umgestaltung zu erreichen, die von Frankreich, Deutschland, China, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Kanada und den Ländern Mittelamerikas angeschoben wird, muss es eine Zweidrittel-Mehrheit für solch eine UNEO geben. Gegenspieler ist - wie so oft- die USA. Also werden die Stimmen der Entwicklungsländer entscheiden. Und hier überwiegt noch die Sekepsis, gerade in den Ländern Afrikas. Hier wird befürchtet, dass eine weltweite Umweltorganisation die wirtschaftliche Entwicklung der ärmsten Länder zugunsten des Nordens behindern soll.
Wie solches Misstrauen von Seiten der Europäer abgebaut werden kann und wie die Idee auch innerhalb der EU als tragender Säule der Forderung nach einer UNEO stärker propagiert werden kann, darum ging es vorigen Donnerstag Vormittag im Wissenschaftszentrum Berlin bei einer Buchvorstellung mit Symposium. "UNEO - Towards an International Environmental Organization", heißt der Sammelband, herausgegeben von Andreas Rechkemmer. In diesem Band sind die Aufsätze von Wissenschaftlern und Politikern, von UNO-Insidern und Umweltpropagandisten vereinigt, die auf eine solche weltweite Umweltorganisation dringen. Ein Ziel, das auch im Dezember bei der Berlin-Konferenz angesprochen werden soll, die sich diesmal dem Thema "International Organizations and Global Government" widmet.
Ganz konkrete Vorschläge zum Abbau von Mißtrauen der Entwicklungsländer gegenüber dem industrialisierten Norden machte der in Amsterdam lehrende Professor für Umweltpolitik, Frank Biermann. Die Umweltsitzungen der Vertragsstaatenkonferenz müsse aufhören, als Reisezirkus von einer Hauptstadt zur nächsten zu wandern. Dies überfordere viele arme Länder finanziell, so dass sie nicht ihre besten Fachleute an allen wichtigen Konferenzorten akkreditieren können. Stattdessen solle Nairobi, Sitz der UNEP, zu einer Umweltwelthauptstadt ausgebaut werden, wo alle Aktivitäten konzentriert werden. Dies ermögliche auch den Drittweltländern eine echte Mitsprache. Zum zweiten müssten die Industrieländer wirklich zeigen, dass sie mit dem Energiesparen zu Hause anfangen und nicht nur vor der Entwicklung in Schwellen- und Drittweltländern warnen. Dazu gehöre auch die Abschaffung der Agrarsubventionen, die es vielen Ländern Afrikas, Südamerikas und Asiens unmöglich machen, die nördlichen Märkte mit ihren Produkten zu beliefern. Und als dritten Punkt schlug Biermann eine Art Umwelt-Vetorecht für den Süden vor, damit die Befürchtung, einem Öko-Imperialismus des Nordens ausgesetzt zu werden, verschwinde.
ssn
Autorin: Dr. Susanne Stracke-Neumann ( Newsredaktion - BUSO Bund Solardach eG)
Quelle: Ökonews, 27.7.2005 [holler]
Umweltschutz global: Schlagkräftige Organisation statt abhängiges Programm
Im September stimmt die UNO über die künftige Autorität ihrer Umweltpolitik ab
27.07.05
