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Neue Konzepte für Mais-Trocknung mit Biomasse


10.01.08
Die hohen Öl- und Gaspreise sorgen für enorme Kosten, nur um Körnermais lagerfähig zu machen. Mit Hackschnitzel beheizte Trocknungsanlagen von BINDER stellen eine sowohl ökologisch wie auch wirtschaftlich interessante Alternative dar.

Jährlich werden in Österreich rund 600.000 Tonnen Körnermais getrocknet, zum Teil in den größeren Trocknungsanlagen der Marktpartner, zum Teil in den bäuerlichen Betrieben selbst. Die meisten dieser Anlagen werden mit Öl oder Gas beheizt. Um aber eine Tonne Mais bei 30 Prozent durchschnittlicher Erntefeuchte auf die für die Lagerfähigkeit erforderlichen 14% Wassergehalt herab zu trocknen, sind zwischen zwanzig und dreißig Liter Heizöl erforderlich. Das bedeutet für ganz Österreich, dass allein während der 6-8 Wochen Trocknungszeit etwa 15 Millionen Liter Heizöl verbrannt und damit rund 43.000 Tonnen an CO2-Äquivalent ausgestoßen werden. Zum Vergleich: mit der gleichen Menge könnten etwa 10.000 Einfamilienhäuser das ganze Jahr über beheizt werden.

Die kurze Einsatzdauer und höhere Anschaffungskosten gegenüber Öl- und Gasfeuerungen verhinderten bislang eine Ausbreitung von Biomassewärme bei Trocknungsanlagen. Dem will der steirische Kesselhersteller Binder aus Bärnbach nun mit den zwei Konzepten eines Hochtemperatur-Wasserkessels und eines Rauchgas-Luft-Wärmetauschers entgegen treten.

Hochtemperatur-Wasserkessel
Landwirt Franz Egger aus Hart bei Wildon ist ein Schweinezüchter und -mäster mit rund 100 Sauen im Stall. Er betreibt einen 300 kW Hackschnitzel-Wasserkessel, der 110°C heißes Wasser an den Wärmetauscher des Trockenturms und an einen 13m³-Heißwasserspeicher liefert, in den auch eine 80 m² große Solaranlage eingebunden ist. Aus diesem Speicher wird nun ein Mikronetz mit einem Leistungsbedarf von 130 kW gespeist, das die drei Ställe der Schweinezucht sowie 3 Wohngebäude in der Nachbarschaft mit Wärme für Raumheizung und Brauchwasserbereitung versorgt.
Egger trocknet rund 800 Tonnen Mais. Dafür und für sein Mikronetz verbraucht er insgesamt 200-300 Schüttraummeter Hackgut, ersetzt damit etwa 35.000 Liter Heizöl, und spart allein bei den Brennstoffkosten knapp 20.000 Euro ein.

Das Wesentliche dieses Konzeptes ist es, den Wasserkessel über die reine Trocknungsperiode hinaus zu nutzen. Was hier mit einem Mikronetz gelang, könnte bei größeren Projekten die Einbindung als Grund- oder Spitzenlastkessel in eine Nahwärmeversorgung darstellen – ein derartiges Projekt befindet sich gerade in der Umsetzung. Da die Erntezeit (Okt./Nov.) in eine Periode mit relativ niedrigem Heizwärmebedarf fällt, steht die Kessel-Leistung nahezu vollständig für Trocknungszwecke zur Verfügung.

Rauchgas-Luft-Wärmetauscher
Nicht überall ist jedoch eine Wärmeabnahme in der bei Trocknungsanlagen üblichen Größenordnung gegeben. Für solche Anwendungen hat das Unternehmen Binder einen Rauchgas-Luft-Wärmetauscher zur Beheizung des Trockenturms entwickelt. Dabei wird Frischluft im mit Hackschnitzel befeuerten Wärmetauscher auf konstante 120 Grad aufgeheizt und direkt in den Trockenturm eingeblasen.

Franz-Josef Gründl betreibt ein Lohndruschunternehmen und eine Trocknungsanlage in Lind bei St. Veit am Vogau. Rechtzeitig vor Beginn der Erntezeit konnte seine neue Trocknungsanlage mit einer Kapazität von 120 Tonnen Mais pro Tag fertig gestellt werden. Die erforderliche Warmluft von 32.000 m³ je Stunde liefert dazu ein Binder-Wärmetauscher mit 1.200 kW Nennleistung.

Die Hackschnitzel zur Beheizung des Wärmetauschers bezieht Gründl zum Großteil von seinen eigenen Kunden und bezahlt dafür 15 €uro je Schüttraummeter. Allein in der heurigen Trocknungsperiode konnte er damit etwa 75.000 Liter Heizöl gegenüber einer konventionellen Trocknungsanlage einsparen.

Dieses Konzept zielt darauf ab, dass die Investitionskosten eines Rauchgas-Luft-Wärmetauschers deutlich unter jenen eines vergleichbaren Wasserkessels liegen und somit ab einer bestimmten Größenordnung für eine akzeptable Amortisationszeit sorgen.

Dass hohe Kosten für Gas und Öl teils abenteuerliche Wirtschafts¬mechanismen auslösen können, ist bekannt. So wird eine nicht unbeträchtliche Menge Körnermais nach Italien verfrachtet, weil dort die Trocknungskosten (noch) finanziell gestützt werden. Bei den derzeitigen, fossilen Energiepreisen – und diese werden eher steigen als sinken – sind die vorgestellten Projekte mit erneuerbarer Energie aber bereits heute eine wirtschaftliche Alternative, wo außerdem das Geld im Lande verbleibt.

BINDER plant, baut und installiert automatische Biomasse-Kesselanlagen für kommerzielle Anwendungen in Industrie und Gewerbe sowie für Nah- und Fernwärme. Mit über 3.000 Anlagen in aller Welt - von Chile bis Japan – zählt BINDER zu den führenden Herstellern von Pellets- und Hackschnitzel-Kessel im mittleren Leistungsbereich. Das Unternehmen beschäftigt allein in Österreich rund 100 Mitarbeiter, jedoch mehr als ¾ des Umsatzes werden im Export erzielt.

Projekt Egger
Betreiber: Franz Egger, Tel. 0664 841 04 81
Gesamtplanung: AEE Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie GmbH, Gleisdorf, Ing. Josef Schröttner,
Tel. 03112-5886
Trockner: Umlauftrockner, 40-50 to/24h
Fa. KWA Anlagenbau, Hr. Reicht, Tel. 0664 530 41 06
Feuerung: Schubrost-Heißwasserkessel, 300 kW
Fa. Binder

Projekt Gründl
Betreiber: Franz-Josef Gründl, Tel. 03453-2185
Gesamtplanung: Betreiber
Trockner: Umlauftrockner, 120 to/24h
Fa. KWA Anlagenbau, Hr. Reicht, Tel. 0664 530 41 06
Feuerung: Schubrost-Rauchgas-Luft-Wärmetauscher, 1.200 kW
Fa. Binder

Quelle: Josef BINDER Maschinenbau u. Handelsges.m.b.H. / 09.01.2008
Zum Firmenprofil von Josef BINDER Maschinenbau u. Handelsges.m.b.H gelangen Sie HIER.

Projektschema Egger
Projektschema Egger
Franz Egger mit seinem durch einen Hackschnitzel-Kessel beheizten Trockenturm.
Franz Egger mit seinem durch einen Hackschnitzel-Kessel beheizten Trockenturm.
Projektschema Gründl
Projektschema Gründl
Die neue Trocknungsanlage in Lind bei St. Veit am Vogau
Die neue Trocknungsanlage in Lind bei St. Veit am Vogau
Innenleben des Rauchgas-Luft-Wärmetauschers
Innenleben des Rauchgas-Luft-Wärmetauschers


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