„Verrückte“ Perspektiven eines effektiven Öko-Visionärs
Wenn es nach Michael Braungart, Professor für Chemische Verfahrenstechnik und laut Financial Times 25. in der Liste der 101 besten Köpfe der deutschen Forschung geht, ist intelligente Verschwendung und intelligentes Produktdesign ein Muss in einer kommenden industriellen Revolution.
Ausgehend davon, dass seiner Ansicht nach nichts was wir sehen, so bleiben kann wie es ist, beschrieb Braungart bei der Auftaktveranstaltung zur Zukunftswerkstatt Umwelttechnik Steiermark in Graz seine Ansätze.
„Nährstoffmanagement“ bildet die Grundlage seiner Überlegungen. Dabei geht Braungart davon aus, dass es zwei Kreisläufe gibt - einen technischen und einen biologischen. Im Biokreislauf zirkulieren natürlich abbaubare Substanzen. Im technischen Kreislauf sind es Stoffe, die so konstruiert sind, dass Sie in industrielle Kreisläufe rückgeführt werden können. Abfall wie wir ihn bisher kennen, der irgendwann entweder in Verbrennungsanlagen oder auf Deponien landet gibt es nicht mehr – Produkte werden so designed, dass bereits die Ausgangsmaterialien frei von schädlichen Stoffen und in Ihrem Lebenszyklus beinahe unbegrenzt weiterverarbeitet werden können. Dass wertvolle Rohmaterialien wie z.B Kupfer im Wert von Millionen Euro auf Deponien lagern und andererseits biologische Nährstoffe in Verbrennungsanlagen zerstört werden, ist für Braungart Irrsinn.
Braungart bringt es auf den Punkt, wenn er sein Cradle to Cradle (von der Wiege zur Wiege) Prinzip darstellt. Es geht nicht mehr um Öko-Effizienz, d.h. durch Einsparung, Minimierung, Vermeidung und fachgerechte Deponierung einfach ein bisschen weniger schlecht bzw. giftig zu sein, sondern um Öko-Effektivität. Was bisher passiert, funktioniert also meist nach dem Cradle to Grave Prinzip.
Am Beispiel der Natur, die wie etwa beim Kirschbaum verschwenderisch mit Früchten, Blättern und Gerüchen umgeht und damit völlig ineffizient ist, aber am Ende des Jahreszyklus dem Boden Nährstoffe retour gibt, wird das Prinzip der Effektivität deutlich.
Das Cradle to Cradle Prinzip funktioniert demnach dadurch, Abfälle als Nährstoffe - entweder biologische oder technische anzusehen, erneuerbare Energiequellen zu nutzen und Vielfalt zu fördern. Die Designkriterien von Cradle to Cradle sind Kosten, Gebrauchseigenschaften, Ästethik, Ökologische Intelligenz, Gerechtigkeit und Freude. In seinen Beratungsunternehmen untersucht und designed Braungart Produkte nach diesen Kriterien. Unternehmen wie Shaw, weltgrößter Teppichproduzent, Basf, Unilever oder auch Nike und Ford lassen sich von Braungarts Beratungsunternehmen EPEA (Environmental Protection Encouragement Agency) in Hamburg mit Zweigstellen in London, Moskau, Sao Paolo und New York beraten und kooperieren im Produktdesign.
Angesprochen auf die Steiermark verweist Prof. Braungart auf große Potenziale. Nicht nur räumliche und wirtschaftliche Voraussetzungen, eine Netzwerkkultur wie im Umwelttechnik Netzwerk Eco & Co, sondern auch die notwendigen Rahmenbedingungen, wie „helle Köpfe“ und eine moderne Verwaltung sind vorhanden. Wichtig ist es, sich einen Zeithorizont und ein Ziel zu setzen, um in 10 Jahren eine nach dem Cradle to Cradle Prinzip geführte Region zu sein. Einen Ansatz, der Braungart vor allem auch in der Steiermark möglich scheint, beschreibt er mit „Intelligent Material Pooling – kurz IMP“.
Mehrere Unternehmen/Forschungseinrichtungen kooperieren und koordinieren dabei die Verwendung, Eliminierung, Nutzung oder Bereitstellung von Chemikalien oder gefährlichen Substanzen um Produkte zu entwickeln, deren Eigenschaften dem Cradle to Cradle Prinzip unterliegen. Braungart sieht die Vorteile von IMP, das anderswo auch bereits erfolgreich umgesetzt wird, vor allem in der Zusammenarbeit von Unternehmen, die sich Information und Kosten teilen und im Qualitätsdesign.
SM 12.10.2005
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Aus den zahlreichen Einsendung bei unserem Gewinnspiel, bei welchem wir 3 Bücher „Einfach intelligent produzieren“ verlost haben, wurden am 2.November 2005 folgende GewinnerInnen ermittelt.
Frau Dipl.-Ing. Ana Moreno / Pro Sustainability
Herr Rupert Matzer / Kornwaage Biolebensmittel GmbH
Herr Dipl.-Ing. Alexander Passer / TU Graz, Insitut für Materialprüfung und Baustofftechnologie
Wir gratulieren herzlich!
